Ofen aus!

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Gestern habe ich den Ofen angelassen. Ich hin, Pizza raus und ich weg, Pizza essen. Vielleicht anderthalb Stunden lang war er noch an, bei pizzafreundlichen 250 Grad. Das macht eine ganze Menge der Energieeinsparungen der letzten Zeit zunichte - der durch Energiesparlicht oder Kaffeemaschine früher ausschalten, weil wir jetzt eine mit Thermoskanne haben.

Allerdings, habe ich dann gedacht, sind das Größenordnungen, die uns sowieso nicht retten werden. Nicht mal, wenn ab heute niemand auf der Welt mehr vergisst, den Ofen auszumachen. Da müssen andere Kaliber her. Vielversprechend ist zum Beispiel, dass BMW und Daimler jetzt Kurzarbeit machen. Weniger Autos! Das ist die richtige Richtung.

Unsere Regierung versucht aber schon, diese Entwicklung aufzuhalten. Mit dem bemerkenswerterweise auch Umweltprämie genannten Geld, das Menschen bekommen, die ihr Auto verschrotten lassen, weil es neun Jahre alt ist, und sich ein neues kaufen. Eine Umweltprämie, so die Argumentation, sei das deshalb, weil die neuen Autos ja umweltfreundlicher sind als die alten.

Nun ist diese Prämie Teil des Konjunkturpakets, und so ist leicht zu sehen, dass es natürlich darum geht, dass wir möglichst viele Autos kaufen. Damit Daimler und BMW nicht länger Kurzarbeit machen müssen. Sondern hundertausende neue, glänzender Autos bauen.

Ich habe gelesen, dass Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung die Prämie “pervers” findet. Immerhin bin ich nicht allein - und sogar mit einem Wirtschaftswissenschaftler einer Meinung. Herr Sinn vermutet, wie ich auch, dass das bisschen Energie, dass man durch das Fahren des neuen Autos vielleicht spart, nicht ins Gewicht fällt gegen die Energie, die für seine Herstellung nötig war. Ich zweifle auch, ob neue Autos, die durch immer mehr Technik immer schwerer geworden sind, per se sparsamer sind als alte.

Noch perverser wird die Prämie, wenn man noch etwas genauer hinschaut. Es heißt, man soll sie nur bekommen, wenn man ein umweltfreundliches Auto kauft - nämlich eines, dass die Euro-4-Abgasnorm erfüllen muss. Sieht man da mal rein, stellt man fest, dass diese Norm alles mögliche reguliert, nicht aber CO2. Treibhausgase, Erderwärmung, Klimakatastrophe -  das drängendste Umweltproblem des Planeten spielt also gar keine Rolle. Es geht nur um neue, glänzende Autos.

Heute habe ich noch die Schlagzeile gesehen, dass die Regierung auch für Besitzer von spritfressenden Autos demnächst die Kfz-Steuer senken will. Sicher wegen der Krise. (Also der der Wirtschaft.)

Immerhin scheint es dazu noch Protest in der Koalition zu geben. Aber vergesst mal lieber nicht, den Ofen auszumachen.

Etienne | Datum: Freitag, 23. Januar 2009 0:11
Themengebiet: Autos, Energie Trackback: Trackback-URL
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