Jo, ’s wirkt!

Erinnert sich noch jemand an die Clausthaler-Werbung, in der ein halbglatziger Biertrinker gefragt wurde, warum er denn alkoholfreies Bier trinke, und dann gerade dieses? Seine Antwort war: “Jo, ’s wirkt! Der Hund hört besser als früher!” Der Hund, ein niedliches weißes Modell, stellt das dann auch - allerdings nach kleiner Bedenkpause - unter Beweis. “Nicht immer … Aber immer öfter!”
Eine Maßnahme, die dagegen IMMER wirkt, um ein bestimmtes Verhalten zu erzwingen oder zu verhindern, ist das Teurermachen. Das zeigen gerade eindrucksvoll einige europäische Nachbarländer, die Luxussteuern oder Sonderabgaben auf große Autos erheben. Das führte prompt zu merklichen Umsatzeinbußen für “Vorstadtpanzer” wie den Porsche Cayenne und andere Schadstoffmonster. Für den Cayenne mit 385 PS und einem CO2-Ausstoss von 385 Gramm pro Kilometer sind zum Beispiel in den Niederlanden über 38.000 Euro extra fällig. Das scheint sogar gewissenlose Großverdiener ins Grübeln zu bringen. Sicher aus den falschen Gründen. Aber immerhin.
Warum also schafft es unsere angeblich so an Klimaschutz interessierte Regierung nicht, ähnliche Abgaben auch in Deutschland einzuführen? Warum gibt es lange Diskussionen, ob die Kfz-Steuer künftig auf Grundlage des Schadstoffaustoßes berechnet werden soll? Warum kommt die endlich beschlossene Umstellung erst 2010? Und warum wird unser Umwelt-Gabriel abgewatscht, wenn er den sehr sinnvollen Vorschlag macht, auch die Steuerbefreiung von Dienstwagen vom Schadstoffaustoß abhängig zu machen?
Interessanterweise reden wir hier von Maßnahmen, die keine Armen träfen. (Die höhere Besteuerung von Autos, die viel CO2 produzieren, wird nur Neuwagen betreffen.) Nur ach - unsere sogenannten Premiumhersteller. Die würde es natürlich treffen. Schwächung der Konkurrenzfähigkeit auf dem europäischen Markt! Arbeitsplatzabbau! Weltuntergang!
Noch einer?
Aber es gibt Hoffnung: Das Image der Protzkarossen wird schlechter. Vielleicht also dauert es nicht mehr lange, bis eine hoffnungsvolle Jungpolitikerin das Thema als wählerstimmengewinnend erkennt und eine Sonderabgabe nach europäischem Vorbild fordert. Meine Stimme hast Du.
Mittwoch, 25. Juni 2008 11:05
Traurig, aber wahr, das beste Mittel zur Disziplinierung der Massen in Sachen Klimaschutz ist und bleibt das Durchsetzen von Strafzahlungen. Es muss Geldbeutel weh tun, Klimasünden zu begehen … in diesem Sinne: Bravo Niederlande!
Samstag, 28. Juni 2008 11:58
Ich hoffe ja ein bisschen auf den Imagewandel. Wenn es irgendwann cooler ist, ein modernes, technisch ausgefeiltes, extrem sparsames Auto zu fahren, als mit einem Hummer Passanten zu erschrecken, ist viel gewonnen.