Beiträge vom April, 2007

Wandelnde Katastrophe

Freitag, 27. April 2007 20:06

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Ich ärgere mich über das Wort „Klimawandel“. Es ist beschönigend und verlogen. Was verbindet man mit Wandel? Eine „Änderung, Erneuerung“, einen „Umbruch“, eine „Umkehr“, laut Duden Synonymwörterbuch. Veränderung ist positiv besetzt in der westlichen Welt, ganz nah bei Fortschritt. Stillstand ist der Tod.

Und was ist der Klimawandel? Der Klimawandel lässt Wüsten wachsen, das Meer ansteigen, vernichtet Lebensräume und bringt Hunger und Leid. Es hat gerade begonnen, und es wird schlimmer werden. Der Klimawandel ist der Tod.

Sicher, das Klima wandelt sich - aber das es das tut, ist eine Katastrophe. Also sollte man es auch so nennen. Klimakatastrophe.

Ich halte „Klimawandel“ für eine Erfindung von Leuten, die am Status quo verdienen - an Autos zum Beispiel, oder an Kohlekraftwerken. „Wandel“ - das ist auch etwas, für das man keine Verantwortung übernehmen muss. Etwas, das passiert. Klimakatastrophe ist das ältere Wort, schon im „Duden - Großes Wörterbuch der deutschen Sprache“ von 1999 zu finden. „Klimawandel“ hingegen steht erst im aktuellen Duden von 2006. Ich kann die Marketingstrategen vom BDI und VDA vor mir sehen, wie sie eine Stellungnahme zum Thema vorbereiten: „Klimakatastrophe? Das geht nicht. Die Leute könnten erschrecken. Wie wäre es mit Klimaveränderung? Oder - ich hab’s, Klimawandel. Das klingt doch nett.

Verschwörungstheorie? Vielleicht. Das ändert aber nichts an der Sache.

Ärgerlich ist auch, dass das Wort von Menschen übernommen wird, die es durchaus gut mit dieser Erde meinen, wie zum Beispiel vom Klimawandelblog. Auch auf der Titelseite der Bremer Klimaschutztage, von denen ich das letzte Mal berichtete, ist es zu finden. Und es gibt viele Beispiele mehr.

Mein Vorschlag zum Unwort des Jahres, in einem April ohne Regen, dafür mit durchgängigen Schwimmbadtemperaturen: Klimawandel.

Etienne | Thema: Sprache | Kommentare (1)

Stadt Land Flut

Mittwoch, 25. April 2007 22:23

Stadt Land Fluss ist ein Spiel, bei dem man “A” sagen muss, und auch ein sehr empfehlenswerter Roman von Christoph Peters. Stadt Land Flut hingegen ist das Motto der ersten Bremer Klimaschutztage. Eine sehr gut gemachte Seite.

Am Anfang war ein Test - anhand eines kurzen Fragebogens kann man herausfinden, ob man ein Klimafossil, Klimabewußte(r) oder Klimaretter(in) ist. Ich bin, oh Graus, ein Klimafossil. Aber ich hatte gleich Gelegenheit, etwas gegen meinen versteinerten Zustand zu tun: Ich konnte ein Klimaversprechen abgeben. Durch vermehrtes Kaufen regionaler Produkte, Umsteigen auf Ökostrom, konsequentes Vermeiden von Standby bei Elektrogeräten und einen wassersparenden Duschkopf will ich im Laufe eines Jahres 2430 kg C02 einsparen. Mein Versprechen wurde anschließend auf der Hauptseite sichtbar, ein Zähler addiert das Potential aller bisherigen Versprechen. Und da der Mensch zu Vergesslichkeiten neigt, werde ich nach einem Monat eine Erinnerungsmail bekommen. Habe ich tatsächlich eine Einsparung realisiert, kann ich auch das auf der Seite eintragen und erhöhe damit den zweiten, wirklich wichtigen Zähler.

Aufschlussreich auch dieser Leitsatz: “Der Klimawandel bedroht unseren Planeten – und die Bremer Deiche.” So muss man es machen - sage den Leuten, dass es auch ihnen dreckig gehen wird.

Es wird auch euch dreckig gehen! Die Aktion läuft noch bis einschließlich morgen - also nichts wie hin. Gefunden habe ich sie über das Klimawandelblog - danke!

Etienne | Thema: Bremen, Klima | Kommentare (1)

Grünes Licht

Sonntag, 22. April 2007 20:25

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Eines der ersten Dinge, an das man beim Thema „Energie sparen“ denkt, ist die Energiesparlampe. (Die Regierung von Australien scheint sogar ausschließlich an Energiesparlampen zu denken.) Es gibt sie schon ziemlich lange, trotzdem habe ich das Gefühl, sie hat sich noch nicht wirklich durchgesetzt. Und zumindest für meinen Teil weiß ich auch warum: Ich finde das Licht echt häßlich. Grün, kalt und geeignet, ein fühlendes Wesen in den Selbstmord zu treiben.

Aber meine Liebste sagte:

„Du kannst nicht anderen vorschreiben, dass sie 3-Liter-Autos fahren sollen, aber selbst keine Energiesparlampen verwenden.“

Das schien mir ein guter Satz für selbsterklärte Weltretter zu sein. Also bin ich in das Lampenfachgeschäft meiner Wahl gegangen und habe gefragt, ob dass denn nicht besser geht. Heraus kam ich mit zwei Megaman-Birnen: Eine mit einer großen Fassung (für über den Tisch in der Küche) und eine mit einer kleinen Fassung (für eine kleine Antik-Lampe auf eine Kommode im Wohnzimmer). Beide sollten laut Packung und Verkäufer mit einer Lichttemperatur von 2700 Kelvin leuchten und damit ein schönes, warmes Licht machen.

Zuhause dann Freude über die klassische Glühbirnenform, Eindrehen und Testleuchten. Die große Birne erfüllt ihr Versprechen. Nach langsamem Warmwerden verbreitet sie angenehme, herzerwärmende Helligkeit. Selbst die Aufwärmphase, die ich sonst bei ESLs nur mit heimlichem Grausen überstehe (und wie oft ist man schon wieder aus dem Raum, bis das Licht endlich hell ist), ist mir hier angenehm - paradoxerweise, weil sie noch ein bisschen langsamer ist und noch ein bisschen dunkler anfängt. Aber das Halbdunkel, dass sie zunächst verbreitet, ist gelb und angenehm, und die sogenannte Vorheizung, die für den langsamen Start verantwortlich ist, soll die Lebensdauer meiner Birne laut Beipackzettel auf 15.000 Stunden verlängern. Das sollte für eine Weile reichen. (Wenn die Birne eine Stunde am Tag brennt, für 41 Jahre.)

Eine Enttäuschung hingegen die kleine Birne. Sie ist bemerkenswert klein und steht so nur kaum über den Lampenschirm hinaus (sonst bei ESLs immer ein Problem) - aber sie macht kaltes, grünes, böses Licht. Was ich nicht verstehe, da es sich laut Verpackung um den gleichen Typ handeln soll wie bei ihrer großen Schwester. Ich werde den Lampenfachverkäufer meines Vertrauens wohl noch einmal bemühen müssen. Dann kann ich auch gleich noch ein paar von den großen kaufen.

Fakten zu Energiesparlampen

  • Beleuchtung hat einen Anteil von ca. 2% am Energieverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts.
  • Energiesparlampen benötigen (je nach Wattzahl) nur ein Viertel oder sogar nur ein Fünftel der Energie einer vergleichbaren Glühbirne.
  • Das von mir beschriebene Modell (Megaman Compact Classic) kostete im Fachgeschäft 15 €. Bei Ebay geht es wohl auch schon für 10 € inkl. Versand.
  • Neben Strom und damit C02 spart man auch Geld. Eine Beispielrechnung: Vergleichen wir eine 75-Watt-Glühbirne mit einer 15-Watt-ESL - das ist von der Leuchtkraft ziemlich genau das Gleiche. Bei einer Brenndauer von einer Stunde am Tag verbrauchen die Birnen 15 bzw. 75 Wh (Wattstunden) - denn eine Wattstunde ist die Energie, die von einem 1-Watt-Gerät in einer Stunde verbraucht wird. Das macht aufs Jahr:
    15Wh * 365 Tage = 5475 Wh = 5,475 kWh
    75Wh * 365 Tage = 27375 Wh = 27,375 kWh
    Bei einem Preis von 0,20 Cent pro Kilowattstunde ergibt sich:
    5,475 kWh * 0,20 € = 1,10 €
    27,375 kWh * 0,20 € = 5,48 €
    Das heißt, die ESL spart gegenüber der Glühbirne 4,38 € pro Jahr. (Das ist nicht die Welt. Aber es ist ja auch nur eine Birne, die eine Stunde am Tag brennt. Dat summiert sich. Und dann noch das gute Gewissen. Und die längere Brenndauer.)

Etienne | Thema: Energie, Energiesparlampe, Strom | Kommentare (2)

Die Bildung beginnt

Donnerstag, 19. April 2007 20:35

Heute habe ich tatsächlich eine Bild gekauft, und tatsächlich stand etwas zur Greenpeace-BUND-WWF-Aktion darin. Nicht viel Neues eigentlich - in den nächsten Tagen wollen sie über die “1000 Möglichkeiten” zum Klimaschützen berichten. Allerdings, und das ist doch neu: eine Aufkleberaktion. Heute konnte man sich, “überall da, wo es Bild gibt”, einen Aufkleber holen. “Rettet unsere Erde - Ich mache mit!”

Schon wieder eine gute Idee. Die Leute können zeigen, dass sie etwas tun, und andere können es sehen. Das spornt an, das bildet eine Gemeinschaft. Zwei Dinge allerdings machen mir Sorgen. Zum einen erweckt der Artikel den Eindruck, dass schon das Befolgen eines der 1000 Klimaschutztipps - z. B. spritsparender Fahren oder das Eindrehen von Energiesparlampen - genug sein könnte. Genug jedenfalls, um sich das “Ich tue ein gutes Werk”-Gefühl zu verdienen. Und dann - wo kleben sich die Leute den Aufkleber wohl hin?

Richtig. Auf ihr Auto.

Trotzdem. Ich will nicht undankbar sein. Und übrigens wird auch das Treibhausblog demnächst eine Art Aufkleberaktion starten. Aber natürlich viel besser. TQ hatte eine schöne Idee.

Coming soon!

Etienne | Thema: Aufkleber, BILD, Greenpeace | Kommentare (2)

Bildung für alle

Dienstag, 17. April 2007 13:32

Beim Frühstück lese ich, das Notebook auf dem Schoß, meine Zeitung: Spiegel.de. „Greenpeace flirtet mit Bild“, ist da zu erfahren. Nach mehrmonatigen Verhandlungen sei eine Zusammenarbeit zum Thema Klimaschutz vereinbart worden. Bis Ende des Jahres sollen in der Bild Informationen zu den Themen „Energiesparen im Privatbereich, spritsparendes Autofahren, Wärmedämmung von Immobilien oder kohlendioxidneutrale Fernreisen“ veröffentlicht werden.

Prima, denke ich, und beiße in mein Toast.

Der Autor von Spiegel.de ist jedoch nicht so begeistert. „Die „Bild“-Zeitung wird grün. Greenpeace springert.“ textet er munter, und stellt dann fest, dass der Fuhrpark von Springer mit S-Klassen, Audis und 7-BMWs alles andere als klimaschonend gefüllt sei. Ob denn nun schon ein „ein imagestarker Hybrid-Wagen“ angeschafft wurde, ironisiert er weiter.

Auch nicht alle Greenpeace-Mitglieder sind einverstanden. „Wir können dabei doch nur verlieren, wenn wir unsere Rolle als Opposition aufgeben“, fürchtet Greenpeace-Mitgründer Harald Zindler. Und der ehemalige Greenpeace-Chef Thilo Bode will die Zusammenarbeit gar nicht kommentieren.

Aber warum diese angestrengte Opposition? Sicher, die Bild ist nicht für feinfühlige Pro-Kontra-Argumentationen bekannt. Und dass sie in der Vergangenheit mit Aufmachern wie „Hoffnung für alle Autofahrer - Der Öko-Steuer geht‘s an den Kragen.“ auf Käuferfang ging, hat sie Greenpeace-Aktivisten und anderen denkenden Individuen nicht unbedingt sympathischer gemacht. Aber es liegt mir fern, sie rundweg zu verurteilen. Bei aller Marktschreierei überschreitet Bild doch nie gewisse Grenzen. Was politische Äußerungen angeht, ist sie eher gemäßigt, ja geradezu staatstragend.

Und was ist es für eine Chance! 12 Millionen Bild-Leser und -Leserinnen über die Klimakatastrophe aufzuklären und ihnen über das Geldsparen das Energiesparen nahezubringen … Das aus ideologischen Gründen abzulehnen wäre ein großer Fehler gewesen. Danke also, Greenpeace. Und danke auch, BUND und WWF, die ebenfalls über ihren Schatten gesprungen sind.

Fast könnte man also Bild-Leser werden. Kost’ ja auch nicht viel. Und ‘ne Brille braucht man zum Lesen auch nicht.

Etienne | Thema: BILD, Greenpeace | Kommentare (2)

Warum das Treibhausblog?

Sonntag, 15. April 2007 22:03

Wir leben im Treibhaus, und es wird immer wärmer. Plötzlich fiebernd ist die Menschheit wieder einmal überrascht von den Folgen ihres Tuns. War denn auch zu ahnen, dass das pausenlose Verfeuern fossiler Brennstoffe globale Auswirkungen haben würde?

Die Ahnungslosigkeit hat Methode. Die drohende Klimakatastrophe war ähnlich schwer abzusehen wie zum Beispiel der Umstand, dass FCKW, als Treibmittel aus Milliarden von Sprühflaschen in der Luft verteilt, in chemische Reaktion mit dem Ozon in der Atmosphäre tritt. Oder dass pflanzenfressende Rinder gefährliche, auf den Menschen übertragbare Krankheiten bekommen, wenn man sie mit zermahlenen Schafen füttert.

Leider ist das Problem diesmal nicht so leicht loszuwerden. Es genügt nicht, das Mittelchen in den Dosen auszuwechseln. Auch wird es uns nicht retten, ein paar Wochen auf Rindfleisch zu verzichten. Nein, die Aufgabe ist schwieriger, vielleicht widermenschlich. Es geht darum, an der Kraft zu sparen, die uns ins Leben rief, die uns wärmt, die uns bewegt, die uns die Angst vor der Dunkelheit nimmt und uns Erdbeeren im Dezember verschafft. Energie.

Trotzdem ist es nicht unmöglich. Erdbeeren im Dezember wären im Grunde verzichtbar. Im Juni schmecken sie besser. Es gibt noch weitere Dinge, die nicht unbedingt benötigt werden, etwa Autos mit 200 PS. Auch ist nicht jede Art von Energie schädlich. Tag für Tag erreicht von der Sonne ein Vielfaches mehr an Energie die Erde, als von der Menschheit benötigt wird. Wir tun uns nur etwas schwer damit, dieses Angebot zu nutzen.

Das Treibhausblog will das Leben im Treibhaus beobachten. Es will vom Kampf seiner Bewohner gegen die Trägheit berichten. Es will praktische Hinweise geben und Entwicklungen vorstellen, die uns vielleicht retten können. Es will warnen, wo es Habgier und Selbstsucht erkennt. Es will diskutieren und Denkanstöße liefern. Es will einen kühlen Kopf bewahren.

Schön, dass Du hier bist.

Etienne | Thema: Energie, Erdbeeren, Klima | Kommentare (5)