Donnerstag, 3. Mai 2007 22:25

Energie sparen ist Thema. Immer häufiger rückt nun nach Energiesparlampen ein weiterer potenzieller Stromfresser in den Fokus der Aufmerksamkeit: Der Computer. Moment, mag da manch Lesende/r einwenden, wie soll ich denn am Computer Strom sparen? Meinen Rechner habe ich komplett gekauft, bei Aldi, MediaMarkt oder einem anderen namhaften Großhändler. Dieser Artikel möchte das Thema Strom sparen am Rechner von zwei Seiten beleuchten: Zunächst widme ich mich den energieeffizienten Systemen: Ist es wirklich so, dass Laptops weniger Energie brauchen als Desktop-PCs? Wie schneiden im Vergleich dazu aktuelle Geräte von Apple ab? Und gibt es weitere Alternativen für meine speziellen Bedürfnisse? Im zweiten Teil gehe ich der Frage nach, welche Komponenten des Rechners die häufigsten Energielecks sind, und welche Maßnahmen sinnvoll sind, um den Energieverbrauch zu drosseln.
Das energieeffiziente System
Laptop oder Desktop-PC?
Ich war ehrlich gesagt verblüfft, wie viel besser Laptops Strom nutzen. Vergleicht man zwei exakt gleich genutzte PC-Systeme (angenommene tägliche Betriebsdauer von 3 Stunden, 1 Stunde Standby, 20 Stunden Aus-Zustand) miteinander, von denen eines ein günstiges Notebook ist, das andere ein günstiges Desktop-System mit Röhrenmonitor, beläuft sich der Unterschied auf knapp 200 € pro Jahr (52,1 € vs. 250,8 €). Selbst wenn man den Röhrenmonitor durch einen Strom sparenden Flachbildschirm ersetzen würde, würde der Verbrauch trotzdem „nur“ um knapp 60 € auf 193,9 € sinken.
Einer der Gründe dafür, dass Laptops weniger Energie verbrauchen als Desktop-PCs, liegt auf der Hand: Weil sie es müssen. Ein wichtiges Kaufargument für einen Laptop ist eine lange Akku-Laufzeit, und je effizienter die vorhandene Energie genutzt werden kann, desto länger kann der Laptop laufen. Ein zweiter Grund, der sich aus dem ersten logisch ergibt, ist, dass günstige Laptop-Systeme selten so leistungsstark sind wie ihre fest auf dem Schreibtisch installierten Pendants. Aus Akkuschonungs-Gründen werden weniger leistungsstarke Grafikkarten verbaut und abgespeckte Prozessor-Kerne. Diese Leistungs-Abstriche sind häufig der Grund dafür, weshalb viele eher einen Desktop- als einen Laptop-PC kaufen würden.
Apple vs. PC
Eine der bekannten Glaubensfragen, nahezu gleichauf mit Fragen wie „Rock oder Pop?“, „Frühling oder Herbst?“ oder auch „Katholisch oder Evangelisch?“ aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Apple schreibt auf seiner Webseite zu Energieeffizienz:
„Der langfristige Energieverbrauch gehört zu den größten Auswirkungen eines Computers oder elektronischen Geräts auf die Umwelt. Aus diesem Grund zählt die Entwicklung von Produkten mit hoher Energieeffizienz zu einem unserer wichtigsten Ziele. Durch einen niedrigeren Stromverbrauch sinken nicht nur Ihre Ausgaben für Elektrizität, sondern auch die Nachfrage und die Emissionsmenge. Das trägt dazu bei, die Umweltbelastung zu reduzieren, die durch den Ausstoß von CO2 und anderen Schadstoffen von Kraftwerken entsteht. Unser Ziel ist es, die durch verschiedene Programme eingeführten Standards zu erfüllen oder zu übertreffen.“
Genaue Angaben sucht man auf der Seite jedoch vergebens: Sie sind nicht da. Lediglich der Stromverbrauch bei abgeschaltetem Rechner wird durch eine Grafik illustriert, aber kein direkter Vergleich der verschiedenen Modelle oder gar ein erhellender Vergleich „Mac gegen PC“ ist aufgeführt. Nur über den Mac mini erfährt man mehr:
„Der Mac mini verbraucht im Betrieb gerade einmal 25 Watt und somit weniger als die Hälfte der Energie einer durchschnittlichen Glühbbirne. Er zählt damit zu den Strom sparendsten Desktop-Computern weltweit.“
Dass wegen eines Strom sparenden Modells nicht automatisch alle weiteren Modelle eines Herstellers ebenso Strom sparend sein müssen, ist ein banaler Schluss, ebenso, dass Apple bei dem oben genannten Vergleich eine energiefressende 60-Watt-Normalglühbirne und keine Energiesparlampe meint.
Trotz intensiver Nachforschungen fand ich nur wenige Artikel, die den tatsächlichen Verbrauch von Apple-Hardware im Vergleich zu herkömmlicher PC-Hardware vergleichen. Bei Toms Hardware Guide wurde ich fündig: Das aktuelle Apple Macbook Pro verbraucht nach ihren Messungen im Schnitt rund 20% mehr Strom als seine Notebook-Konkurrenz, zudem fällt die Akkulaufzeit durch weniger Kapazität nochmals geringer aus. Auf der Seite von buy-a-mac erhalte ich die folgenden Informationen, die zeigen, dass es einen deutlichen Unterschied macht, zu welcher der drei Konfigurationen gegriffen wird:
MacPro
Ruhezustand: ca. 7 Watt, Mac OS X (ohne Arbeit): zwischen 130 und 200 Watt (je nach Prozessor), Volllast: zwischen 200 und 300 Watt (je nach Prozessor)
iMac
Ruhezustand: ca. 3 Watt, Mac OS X (ohne Arbeit): 45 bis 100 Watt (je nach Monitorgröße und Prozessor), Volllast: 65 bis 130 Watt (je nach Monitorgröße und Prozessor)
Mac Mini
Ruhezustand: ca. 2-4 Watt, Mac OS X (ohne Arbeit): zwischen 22 und 32 Watt (je nach Prozessor), Volllast: ca. 40-43 Watt (je nach Prozessor)
Wirft man einen Blick auf den Energieverbrauch aktueller Prozessoren, so zeigt sich schon auf den ersten Blick, dass ein Vergleich mit PC-Systemen nicht leicht ist. Bereits hier, im Kern des PCs, kann ein kleiner Unterschied großes bewirken. Eines ist klar: Die Desktop-Lösungen von Apple können energiesparender sein als nicht auf sparsamen Verbrauch optimierte PC-Systeme. Jedoch gibt es durchaus effiziente, gut gebaute PCs, die dem Mac Mini den Rang als Energiesparwunder abzulaufen drohen: Die
Barebone-PCs
„Nackte Knochen“ heißen sie, doch sie sehen schick aus, sind leise und sparen Strom. Es gibt extreme Beispiele, die unter 10 Watt bei Volllast verbrauchen und dennoch für Alltagsanwendungen akzeptable Leistung bringen, aber auch aktuelle Zweikern-Systeme, die durchaus auch für Spieler und Spielerinnen interessant sein können.
Effizienz im Detail
Der Bildschirm
Einer der Gründe dafür, dass Notebooks so deutlich effizienter in ihrer Energienutzung sind, ist die Tatsache, dass es keine Notebooks mit Röhrenbildschirmen gibt. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass es sich dank stabil niedriger Preise für Flachbildschirme durchaus lohnt, sich Gedanken über eine Anschaffung zu machen. Rund 70% des Bildschirm-Stromverbrauchs können auf diese Weise eingespart werden.
Mit Hilfe des Energierechners von Energy Star lassen sich verschiedene Einsparungsmöglichkeiten durchspielen. In meinem ersten Beispiel möchte ich verdeutlichen, wie groß der Unterschied zwischen Röhrenmonitor und Flachbildschirm ausfällt. Als Testsystem habe ich den preisgünstigen Standard-PC gewählt, dessen Betriebsverbrauch sich auf 100 W, Standby auf 10 W und Aus-Zustand auf 5 W pro Stunde beläuft. Als Test-Röhrenbildschirm wählte ich den System-CRT 17″ mit 73 W stündlichem Verbrauch im Betrieb und je 3 W im Standby und Aus-Zustand.
Im Jahr verbraucht diese Konfiguration bei einem Strompreis von 0,19 €/kWh ganze 250,8 €, davon 155,7 im Ein-Zustand (3 Stunden am Tag), 3,9 € im Standby (1 Stunde pro Tag) und 60,4 € im Aus-Zustand (20 Stunden pro Tag). Nachdem ich den Röhrenmonitor durch einen energieeffizienten 19″-Flachbildschirm ersetzte, sanken die Kosten auf 193,9 € (Betriebsverbrauch: 121,5 €, Standby: 3,3 €, Aus-Zustand: 45,3 €).
Jährlich können demnach mehr als 50 € eingespart werden können, nur, indem man den Bildschirm austauscht.
Prozessor und Grafikkarte
Dass auch ohne große Leistungseinbußen Energie gespart werden kann, zeigt die Gegenüberstellung der Kosten aktueller Prozessoren. Bei Dauerbetrieb ist es möglich, zwischen 80 € und im Extrem 170 € im Jahr einzusparen. Die Unterschiede fallen bei gelegentlichem Betrieb natürlich weniger gravierend aus, trotzdem beläuft sich das Maximal-Sparpotenzial bei drei Stunden durchschnittlichem Betrieb auf jährlich zwischen 10 € und 21,25 €. Hier ist es auch wichtig, zwischen Energieeffizienz und Verlustleistung zu unterscheiden. Während die aktuellen AMD-Prozessoren bei der Verlustleistung punkten können, liegt Intel bei der Energieeffizienz, der hohen Leistung bei gleichzeitig geringem Verbrauch, deutlich vorne.
Bei Grafikkarten ist Leistungsoptimierung bei gleichzeitig geringem Stromverbrauch kein Thema: Je besser die Grafikkarte, desto mehr Energie braucht sie schon bei Normalbetrieb. Wenn auf brilliante Grafikleistungen bei aktuellen Spielen kein Wert gelegt wird, bietet sich eine besonders Energie sparende Onboard-Lösung an.
Das Netzteil
Dass auch effiziente Netzteile ihr Scherflein zum Energie sparenden Rechner beitragen, wird klar, wenn man bedenkt, dass Netzteile oft unnötig viel Wärme und Lärm produzieren. Umso wichtiger ist es, beim Netzteil auf den Wirkungsgrad (Efficiency) zu achten. Während einige Modelle weniger als 65% der aufgenommenen Energie auch wieder ausgeben und den Rest in Störgeräusche und Wärme umwandeln, gibt es durchaus Netzteile, die deutlich über der 80%-Marke liegen. Besonders effiziente Netzteile tragen häufig das 80 plus-Siegel oder die Siegel von Energy Star oder dem Blauen Engel.
Weitere Tipps zum Energie sparen
Es gelten natürlich weiterhin die allgemeinen Regeln zum Energie sparen: Statt Standby-Dauerbetrieb macht es mehr Sinn, den Rechner herunterzufahren; in kleinen Pausen sollte zumindest der Bildschirm ausgeschaltet oder der Standby-Modus genutzt werden. Die Energie-Einstellungen bieten sich dafür an. Bei sehr langen Pausen macht es außerdem Sinn, den Rechner nicht nur auf Standby zu schalten, sondern das Netzteil an der Rückseite richtig auszuschalten. Darüber hinaus sparen Steckdosen mit Schalter oder Master-Slave-Steckdosen nochmals einen Großteil des Standby-Stroms.
Ein ausführlicher Bericht über den Eigenbau eines extrem Strom sparenden Rechners, der dabei auch noch nur 455 € kostet, findet sich bei Toms Hardware Guide (Teil 1 | Teil 2 | Teil 3).