Kennt ihr Avaaz?

Sonntag, 17. Januar 2010 20:17

Avaaz ist ein weltweites Netzwerk von Menschen, die sich engagieren möchten. Zumindest per Mausklick. Über avaaz.org werden Unterschriftensammlungen und Aktionen für “die wichtigsten Themen unserer Welt” organisiert. Zur Klimakonferenz in Kopenhagen sammelte Avaaz über 14 Millionen Unterschriften, Aktivisten lasen die Namen im Konferenzzentrum vor. Zumindest werden sie angefangen haben, denn auch wenn man pro Sekunde einen Namen sagt, braucht man für  3.888 Stunden für 14 Millionen.

Vielleicht habt ihr aber auch auf Spiegel.de von Avaaz gelesen, und davon, dass das Netzwerk momentan etwas ziellos scheint. Was bloß sind die wichtigsten Themen dieser Welt? Doch selbst wenn es stimmt, es macht nichts: Das Avaaz-Team verschickte Anfang der Woche einen Link zu einer Umfrage. Die Mitglieder des Netzwerks sollen abstimmen, was die Prioritäten für 2010 werden sollen.

Natürlich habe ich dazu eine Meinung und habe dafür gestimmt, auch die Kampagnen 2010 auf Klimaschutz auszurichten. Das Bewahren unserer Lebensgrundlage scheint mir der erste und also beste Schritt zu sein. Außerdem glaube ich, dass wir einige andere Probleme unterwegs lösen können und müssen - z. B. das kleine Gerechtigkeitsproblem dieses Planeten.

Auch eine Meinung? Hier gehts zur Umfrage.

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Von Geschenken und Abkommen

Dienstag, 29. Dezember 2009 19:24

Wache

Weihnachten ist vorbei, Kopenhagen auch. Weihnachten brachte viele Geschenke, Kopenhagen kein Abkommen zum Klimaschutz. Das passt zusammen.

Im Nachhinein wundert es mich nicht mehr. Handeln nicht Politiker, gerade demokratisch gewählte, im Großen und Ganzen im Sinne ihres Volkes? Das hat sie ja gewählt. Und bei den Wählern, auf die Masse gesehen, hat Klimaschutz noch keine Priorität. Schon gar nicht die Ansicht, dass zum Schutz der Menschheit Änderungen im Lebensstil notwendig sind. Das konnte jedem klar werden, der in diesem Dezember anlässlich einer Klimamahnwache für Kopenhagen in einer bundesdeutschen Fußgängerzone stand.  Die vielleicht 40 Teilnehmer wurden umspült von Tausenden, die auf der Jagd nach  Weihnachtsgeschenken die Gruppe  Spinner mit Kerzen bestenfalls als Hindernis wahrnahmen.

Aber warum lästere ich? Auch ich habe viele Geschenke gekauft und viele bekommen. Es ist etwas Schönes, das Schenken und Beschenktwerden. Es neigt nur dazu, aus dem Ruder zu laufen. Oh Gott, was schenke ich denn meinem Schwager? Den sehe ich ja auch! Und er sieht mich und weiß das ebenfalls. “Das wäre doch nicht nötig gewesen …” ist ein Satz, der mehr Beachtung verdient.

Aus Weihnachten und Kopenhagen lernen wir, dass es noch viel Arbeit gibt. Klimaschutz und die Vorteile eines nachhaltigen Lebensstils sind noch keine wichtigen Themen unserer Gesellschaft. Wenn sie es werden, klappt es auch mit den Klimakonferenzen.

Einen Hoffnungsschimmer gab es auch: Noch nie waren Umweltaktivisten so stark und präsent wie diesmal. Organisationen wie 350.org und Tcktcktck verbinden Menschen rund um die Welt. Schaut hier für ein paar grandiose Beispiele.

Weiter geht’s.

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Scharf

Samstag, 11. Juli 2009 19:33

traubenangst.jpg

Meldungen über schlechte Lebensmittel geben sich gerade die Klinke in die Hand. Zuerst Analogkäse. Dann Gelschinken. Schließlich eine Untersuchung der Verbraucherzentrale, die überprüft hat, was in Supermarkt-Lebensmitteln wirklich drin ist. Oder nicht drin ist. Kein Wasabi ist in Wasabi-Nüssen von Lorenz drin. Keine Vanille in Vanilleeis von Mucci. Wenig Käse in Fol Epi. Und es gibt Händler, die behaupten, dass Surimi-Garnelen im Indischen Ozean gefangen worden seien.

Das ist ziemlich lustig, wenn man sich vorstellt, wie die aus Fischabfällen zusammengepressten und außen rot angemalten Würmchen in den Wellen dümpeln. Überraschend ist das alles nicht. Mich ekelt es schon seit Jahren, wenn ich mir Zutatenlisten im Supermarkt ansehe. Oder mich an den letzten Gammelfleischskandal erinnere. Oder an den davor. Oder an BSE. Das Problem beginnt damit, dass die Anonymisierungsstelle Supermarkt die Kunden von den Herstellern abschottet. Die Einkäufer der Supermarktketten müssen den Fraß nicht essen, also achten sie auf den Preis. Die Hersteller brauchen den Kunden nicht in die Augen sehen, also achten sie auf den Profit. Diese Theorie habe ich übrigens auch hier gelesen.

Was mich doch überrascht hat, ist die Dreistigkeit von Manfred Horst vom Bundesverband der deutschen Lebensmittelindustrie. Herr Horst wurde von Spiegel Online interviewt. Die “Verbraucher” sollen doch genauer hinsehen, schlägt er vor. Und sie hätten übertriebene Erwartungen: “Nehmen sie den beanstandeten Putensalat. [treibhausblog: Putensalat von 'Du darfst'] Wenn jemand den kauft, erwartet der Kunde doch nicht ernsthaft, dass da ganze Stücke von Putenschnitzeln enthalten sind.”

Nein? Was soll ich denn sonst erwarten? Also nehmen wir mal an, ich würde einen Putensalat zubereiten wollen. Ich denke, ich würde zuerst einmal ein Putenschnitzel nehmen, es braten und kleinschneiden. Vielleicht auch andersherum. Ist ja auch egal. Herr Horst hingegen erwartet, dass ich Fleischabfälle zusammenkehre und zu Formfleisch presse. Und daraus Salat mache. Und wir sollen das auch erwarten. Von der Lebensmittelindustrie.

Lorenz Wasabi-Geschmack-Erdnüsse

Die Mitarbeiter von Lorenz haben sich übrigens nichts vorzuwerfen. Wie auf der Verpackung klar ersichtlich wird, handelt es sich um "Wasabi-Geschmack-Erdnüsse".

Etienne | Thema: Essen, Lobby | Kommentare (0)

Fahrtizipation

Sonntag, 22. März 2009 21:24

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Gestern habe ich (wie immer auf Spiegel.de) von Carticipate gelesen. Die Idee ist großartig. Wer das Programm für das iPhone aufruft, wird GPS-verortet und bekommt Mitfahrgelegenheiten anderer Carticipate-Benutzer in der Nähe angeboten. Autofahrer können ihre Fahrten hinterlegen, Benutzerprofile und ein Bewertungssystem sollen für Seriösität und Sicherheit sorgen. Menschen ohne iPhone können über Facebook mitmachen - ich nehme an, den aktuellen Aufenthaltsort gibt man dann selber an.

Als Mensch mit iPhone habe ich mir die Anwendung gleich runtergeladen. Wie cool, wenn das funktioniert: Telefon raus, schauen, jemanden anrufen, der in die gleiche Richtung will, und los gehts.  Das iPhone hätte eine weitere Funktion als Universalproblemlöser, und diesmal sogar eine klimaschonende.

Leider ist die Anwendung eine Enttäuschung. Beim Start wird wie erwartet die Position bestimmt und dann eine Liste mit Fahrten angezeigt - allerdings in die Vergangenheit. Was nützt es mir, wenn ich erfahre, dass ich am 07.12.2008 von Bensheim zum Frankfurter Flughafen hätte fahren können? Auch Start und Ziel bleiben gelegentlich unklar: Ein Teilnehmer bietet eine Fahrt an, deren Startpunkt mit “74.9 Km Von Hier” angegeben wird, und deren Ziel “Ungenannter Ort” ist. Von woanders nach irgendwo. Hm.

Eine Katastrophe ist die deutsche Lokalisierung. Das geht bei der eben zitierten, etwas eigenwilligen Groß- und Kleinschreibung los und mit vielen Grammatikfehlern weiter. Und der deutsche Name der Anwendung ist “Fahrtizipier”! Das alles ist umso unverständlicher, als dass der Leiter der Start-up-Firma, Steffen Frost, ein Schwabe ist.

Lieber Steffen Frost! Wenn Du das hier liest: Coole Idee, way to go! Aber wenn das klappen soll, muss der Dienst hochwertiger und intuitiver werden:

  • Es muss klarer sein, wo Fahrten starten, wohin sie gehen, wann sie starten, ob sie regelmäßig stattfinden. Übersichtlichkeit!
  • Die Fahrtenliste sollte sortierbar sein (nach Entfernung des Startorts der Fahrt vom Standort, Entfernung des tatsächlichen Zielorts vom Wunschzielort, Startzeit). Alte Fahrten sollten sich ausblenden lassen.
  • Die Oberfläche sollte möglichst fehlerfrei sein. Man hat Sorgen, sich in die Hände eines Fahrdienstes zu begeben, der so unseriös und unfertig wirkt.

Ich schaue wieder rein, wenn mein iPhone mir ein Update meldet.

Etienne | Thema: Autos, iPhone | Kommentare (0)

Erbschleicher

Freitag, 6. März 2009 9:56

Ich habe vor ein paar Tagen eine Dokumentation gesehen, in der Erdöl das “Erbe von 150 Millionen Jahren” Erdgeschichte genannt wurde. Das fiel mir gerade wieder ein, und ich habe gerechnet. Mal angenommen, wir haben ca. 1900 mit dem Massenverbrauch von Öl begonnen, jetzt ist 2009, und es gibt noch Reserven für 30, 40 Jahre: Dann haben wir das Erbe von 150 Millionen Jahren in einem Millionstel dieser Zeit durchgebracht. Soviel zu Nachhaltigkeit.

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Fliegen

Sonntag, 1. März 2009 14:19

Segel

Urlaub, Urlaub! Meine Süße und ich haben für Juni eine Ferienwohnung gebucht. Nebelwald, Lorbeerbäume, felsige Berge, grüne Täler, schwarze Sandstrände und Palmen, auf einer der weniger besuchten Kanarischen Inseln. Ich fühle mich wie Cook, der Entdecker. (James, nicht Thomas!)

Anders als Cook werden wir fliegen. Eine Überfahrt auf einem Dreimaster mit vollen Segeln und knarrenden Tauen wäre großartig, würde aber allein die Zeit aufbrauchen, die uns unsere Arbeitgeber, die freie Marktwirtschaft – die uns für unseren Urlaub gegeben ist. Und mit welchem Schiff sollten wir fahren? Die Endeavour ist lange außer Dienst.

Fliegen ist vermutlich das klimaschädlichste, das man als Privatmensch machen kann. Trotzdem habe ich kein schlechtes Gewissen. Es wird die neunte Flugreise meines Lebens, davon die zweite private. Ich habe Europa noch nie verlassen, mich nie weiter als Sylt vom Festland entfernt (ausgerechnet). Das muss anders werden. Unsere Hochzeitsreise ist es außerdem.

Immerhin wollen wir Ablass zahlen – also so viel Geld für ein Klimaprojekt spenden, dass das durch den Flug verursachte CO2 wieder ausgeglichen wird. Wir wissen noch nicht für welches Projekt - hat jemand einen Vorschlag?

Etienne | Thema: fliegen | Kommentare (0)

Ofen aus!

Freitag, 23. Januar 2009 0:11

garage.jpg

Gestern habe ich den Ofen angelassen. Ich hin, Pizza raus und ich weg, Pizza essen. Vielleicht anderthalb Stunden lang war er noch an, bei pizzafreundlichen 250 Grad. Das macht eine ganze Menge der Energieeinsparungen der letzten Zeit zunichte - der durch Energiesparlicht oder Kaffeemaschine früher ausschalten, weil wir jetzt eine mit Thermoskanne haben.

Allerdings, habe ich dann gedacht, sind das Größenordnungen, die uns sowieso nicht retten werden. Nicht mal, wenn ab heute niemand auf der Welt mehr vergisst, den Ofen auszumachen. Da müssen andere Kaliber her. Vielversprechend ist zum Beispiel, dass BMW und Daimler jetzt Kurzarbeit machen. Weniger Autos! Das ist die richtige Richtung.

Unsere Regierung versucht aber schon, diese Entwicklung aufzuhalten. Mit dem bemerkenswerterweise auch Umweltprämie genannten Geld, das Menschen bekommen, die ihr Auto verschrotten lassen, weil es neun Jahre alt ist, und sich ein neues kaufen. Eine Umweltprämie, so die Argumentation, sei das deshalb, weil die neuen Autos ja umweltfreundlicher sind als die alten.

Nun ist diese Prämie Teil des Konjunkturpakets, und so ist leicht zu sehen, dass es natürlich darum geht, dass wir möglichst viele Autos kaufen. Damit Daimler und BMW nicht länger Kurzarbeit machen müssen. Sondern hundertausende neue, glänzender Autos bauen.

Ich habe gelesen, dass Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung die Prämie “pervers” findet. Immerhin bin ich nicht allein - und sogar mit einem Wirtschaftswissenschaftler einer Meinung. Herr Sinn vermutet, wie ich auch, dass das bisschen Energie, dass man durch das Fahren des neuen Autos vielleicht spart, nicht ins Gewicht fällt gegen die Energie, die für seine Herstellung nötig war. Ich zweifle auch, ob neue Autos, die durch immer mehr Technik immer schwerer geworden sind, per se sparsamer sind als alte.

Noch perverser wird die Prämie, wenn man noch etwas genauer hinschaut. Es heißt, man soll sie nur bekommen, wenn man ein umweltfreundliches Auto kauft - nämlich eines, dass die Euro-4-Abgasnorm erfüllen muss. Sieht man da mal rein, stellt man fest, dass diese Norm alles mögliche reguliert, nicht aber CO2. Treibhausgase, Erderwärmung, Klimakatastrophe -  das drängendste Umweltproblem des Planeten spielt also gar keine Rolle. Es geht nur um neue, glänzende Autos.

Heute habe ich noch die Schlagzeile gesehen, dass die Regierung auch für Besitzer von spritfressenden Autos demnächst die Kfz-Steuer senken will. Sicher wegen der Krise. (Also der der Wirtschaft.)

Immerhin scheint es dazu noch Protest in der Koalition zu geben. Aber vergesst mal lieber nicht, den Ofen auszumachen.

Etienne | Thema: Autos, Energie | Kommentare (0)