Am Duschkopf reguliert
Sonntag, 14. März 2010 20:16

Die EU nimmt sich nach den Glühbirnen jetzt die Duschköpfe vor. Wasserverschwender sollen ausgemustert werden. Kritiker sehen uns kurz vor einer Ökodiktatur. Doch ist das wirklich das Problem?
Über Duschköpfe, auch sparsame, habe ich hier schon geschrieben. Viele herkömmliche – oh, ich liebe das Wort – viele herkömmliche Modelle verbrauchen viel Wasser. Normalerweise warmes Wasser, das unter großem Energieaufwand geheizt wird. Etwa 25 % des Energiebedarfs eines Haushalts gehen für warmes Wasser drauf, und das geht sicher großteils durch den Duschkopf. Sparen würde sich also lohnen.
Aber ist Duschkopfregulierung der richtige Weg? Stellen wir uns das mal vor. Es wird eine Kommission geben, die sich Gedanken macht über die richtige Menge Wasser, die einen Duschkopf pro Minute passieren sollte. Die Kommision gibt ein Gutachten in Auftrag. Es kommt zu Testduschen. Ein erste Zahl wird festgelegt. Es gibt Proteste, Vergleiche zwischen italienischen und schwedischen Duschgewohnheiten. Hersteller versuchen, Einfluss zu nehmen. Schließlich die Einigung. Juristen arbeiten eine Vorschrift aus, irgendjemand setzt sie in Kraft. Hersteller passen ihre Modelle an. Baumärkte sortieren Verschwenderduschen aus. Um die Einhaltung der Vorschrift sicherzustellen, müssen Kontrollen stattfinden. Der Zoll überprüft Importduschköpfe auf Einhaltung der europäischen Duschkopfvorschrift. Alle paar Jahre macht sich jemand Gedanken, ob die Vorschrift noch aktuell ist. Weitere Testduschen sind nötig. Es kommt zu Skandalen, weil einige Testduscher nicht allein unter der Dusche waren.
Dabei sind Duschköpfe nicht das Einzige, das sich im Interesse des Klimaschutzes regulieren lässt. Glühbirnen sind schon reguliert. Wasserhahnregulierung ist naheliegend. Fensterregulierung fällt mir auch gleich ein.
Und was ist das eigentlich für eine Art? Wenn ich einen schönen schwarzen Sonnenkollektor auf dem Dach habe, der heißes Wasser macht, ohne dabei ein Gramm CO2 zu verbrauchen – habe ich dann nicht das Recht auf ein bisschen Druck auf der Leitung, wenn ich dusche?
Es wäre so viel einfacher. Würde man die Energiekosten anpassen, am Besten auf einen Wert, der den Schaden der Energieerzeugung auf das Gesamtsystem (die Erde) einigermaßen realistisch widerspiegelt, könnte jeder für sich selbst entscheiden, wofür sie oder er unsere begrenzten Ressourcen verwendet. Außerdem ist, wie gerade gezeigt, ganz entscheidend, wie die Energie erzeugt wird.
Dass die EU stattdessen an Symptomen rumdoktort, gibt Anlass für verschiedene unschöne Vermutungen. Geht es darum, Glühbirnen- und Duschkopfherstellern Markt zu machen? Oder ist die Lobbyarbeit von Energiekonzernen zu gut? Ein Indiz dafür, dass Lobbyarbeit von Großkonzernen eine Rolle spielen könnte, ist die Erklärung der EU, beim Festlegen von Energiestandards für Autos keine Regelungen treffen zu wollen. Für die gäbe es „schon genug Vorschriften.“
Haha.
Ich könnte mit einer Ökodiktatur schon liebäugeln – aber es müsste viel besser diktiert werden.
Etienne | Thema: Uncategorized | Kommentare (0)




